Erik Spiekermann: Das Maß der Dinge

Die Zeitschrift Monocle bezeichnet ihn als “den weltweit am meisten gefeierten lebenden Typedesigner”. Für uns schafft er erstmals Mode. Schals und Einstecktücher für Männer. Und noch viel mehr: denn seit wann kann man mit einem Schal die Welt vermessen? Das schafft nur Erik Spiekermann mit seiner Edition Das Maß der Dinge.

Denn: Mono wusste, dass Una keine Landkarten lesen konnte. Zumindest behauptete sie das. Insgesamt stellte sie sich vorzugsweise dann etwas ungeschickt an, wenn es um Technik ging. Mono hingegen kaufte Zollstöcke, Bohrmaschinen, Schraubzwingen und alles, was man zum Reparieren aller möglichen Gegenstände je brauchen könnte. Er wusste, was die vielen Angaben unten auf den Straßenkarten bedeuten und hielt die Karten immer so, dass Norden oben ist. Für Una war oben dort, wo sie hin wollte. Zumeist endete es darin, dass Mono die Navigation übernahm. Oder das Reparieren von Dingen.
Mono konnte zwischen Währungen hin- und her rechnen. Una fragte einfach den Kellner. Mono wusste, wie viele Kilometer er noch fahren konnte, wenn der Tank auf Reserve stand. Una hingegen blieb gelegentlich mit leerem Tank am Straßenrand stehen, musste aber nie lange warten, bis ihr ein Mann half.
Mono liebte Geräte zum Messen und Rechnen. Er wusste, wie viele Liter in der Gallone sind und wie viele Inch ein Fuß hat und was das in Zentimeter bedeutet. Una allerdings wusste immer genau, wie viel sie wog, ob in Kilo, Pounds oder Stone.
Zahlen hatten für Mono etwas kabalistisch-magisches. Sie waren abstrakt, ließen sich aber genau darstellen. Ob Höhenlinien auf Landkarten, die Untiefen im Meer oder die Länge der Skala am Barometer: Zahlen hatten Bedeutung und ihre Darstellung hohen grafischen Reiz. Und mit seinem Einstecktuch und Schal mit Skala darauf konnte er notfalls auch prüfen, ob eine Speisekarten größer als Din A4 war, welche Höhe Unas Absätze hatten oder was sonst noch für die Vermessung der Welt von Bedeutung war.